PDF-Praxis · Barrierefreiheit · PDF/UA · Digitale Dokumente
Barrierefreie PDFs & PDF/UA verständlich erklärt
Ein PDF ist nicht schon deshalb barrierefrei, weil der Text gut lesbar aussieht oder sich markieren lässt. Entscheidend ist, ob Inhalt und Struktur auch für Screenreader und andere assistive Technologien sinnvoll zugänglich sind.
Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen, Bilder, Links und Lesereihenfolge müssen sowohl visuell als auch technisch logisch aufgebaut sein.
Kurzantwort
Ein barrierefreies PDF besitzt eine nachvollziehbare semantische Struktur. Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen, Bilder und Links sind nicht nur optisch gestaltet, sondern technisch korrekt ausgezeichnet. Zusätzlich müssen Lesereihenfolge, Alternativtexte, Dokumentinformationen und tatsächliche Bedienbarkeit geprüft werden.
Grundverständnis
Was bedeutet Barrierefreiheit bei einem PDF?
Ein PDF besitzt zwei Ebenen: die sichtbare Gestaltung und die technische beziehungsweise semantische Struktur dahinter.
Ein Mensch erkennt beispielsweise sofort, dass eine große fette Zeile eine Überschrift darstellt. Ein Screenreader benötigt dagegen eine technische Kennzeichnung, damit er diese Information ebenfalls als Überschrift erkennt und für die Navigation verwenden kann.
Visuelle Gestaltung
Schriftgröße, Farbe, Position, Weißraum und Layout helfen sehenden Nutzern, die Struktur eines Dokuments zu verstehen.
Semantische Struktur
Tags beschreiben technisch, ob ein Element beispielsweise Überschrift, Absatz, Liste, Tabelle, Bild oder Link ist.
Beides muss zusammenpassen. Eine technisch ausgezeichnete Überschrift sollte auch tatsächlich eine Überschrift sein – und ein rein dekoratives Element sollte nicht wie wichtiger Inhalt vorgelesen werden.
Standard für zugängliche PDF-Dokumente
Was bedeutet PDF/UA?
PDF/UA beschreibt technische und strukturelle Anforderungen an zugängliche PDF-Dokumente. Der Standard definiert unter anderem, wie Inhalte ausgezeichnet und für assistive Technologien bereitgestellt werden müssen.
Wichtig ist dabei: Ein PDF/UA-Eintrag im Dokument macht eine fehlerhafte Datei nicht automatisch barrierefrei. Der Identifier ist keine Reparaturfunktion, sondern eine formale Aussage über den angestrebten beziehungsweise erfüllten Standard.
Ein häufiger Irrtum
Ein „Tagged PDF“ ist noch kein barrierefreies PDF
Programme wie Word, InDesign oder Acrobat können PDF-Dateien mit Tags erzeugen. Diese Tags bilden zunächst eine technische Struktur.
Automatisch erzeugte Strukturen können jedoch falsch, unvollständig oder für die tatsächliche Nutzung ungeeignet sein.
Semantik statt nur Optik
Die wichtigsten Bausteine eines strukturierten PDFs
Überschriften
Eine logische Hierarchie – beispielsweise H1, H2 und H3 – ermöglicht Navigation und vermittelt den Aufbau des Dokuments.
Absätze
Fließtext wird als tatsächlicher Absatz ausgezeichnet und nicht durch Leerzeichen oder manuelle Zeilenumbrüche strukturiert.
Listen
Aufzählungen und nummerierte Punkte sollten als echte Listen aufgebaut werden, damit Anzahl und Struktur erkannt werden können.
Tabellen
Zeilen, Zellen und Kopfbereiche müssen technisch korrekt ausgezeichnet sein, damit Zusammenhänge verständlich bleiben.
Bilder
Informative Bilder benötigen eine sinnvolle textliche Alternative. Dekorative Bilder können von assistiven Technologien übersprungen werden.
Links
Links sollten technisch als Links ausgezeichnet sein und verständliche Bezeichnungen besitzen.
Bilder verständlich machen
Was macht einen guten Alternativtext aus?
Ein Alternativtext sollte nicht einfach jedes sichtbare Detail aufzählen. Er soll die Information vermitteln, die das Bild im jeweiligen Dokumentkontext transportiert.
Informative Abbildung
Der Alternativtext beschreibt die für das Verständnis relevante Aussage oder Funktion.
Reine Dekoration
Ein Schmuckbild ohne Informationswert muss nicht ausführlich beschrieben werden und kann technisch als Artefakt behandelt werden.
Besonders anspruchsvoll
Warum Tabellen mehr Aufmerksamkeit brauchen
Eine Tabelle lebt von Beziehungen zwischen Spalten, Zeilen, Überschriften und Datenzellen. Visuell sind diese Zusammenhänge unmittelbar erkennbar – ein Screenreader benötigt dafür die passende technische Struktur.
Deshalb sollten Tabellen möglichst schon im Quelldokument als echte Tabellen aufgebaut werden. Mit Tabs, Leerzeichen oder einzelnen Textfeldern nachgebaute Tabellen lassen sich deutlich schlechter zugänglich strukturieren.
Unsichtbar – aber entscheidend
Die Lesereihenfolge muss logisch sein
Bei einfachen einspaltigen Dokumenten entspricht die technische Reihenfolge häufig der sichtbaren Reihenfolge. Bei komplexeren Layouts kann das anders sein.
Textkästen, Marginalien, Tabellen, Bilder und mehrspaltige Seiten können dazu führen, dass Inhalte technisch in einer unverständlichen Reihenfolge ausgegeben werden.
Deshalb sollte eine Lesereihenfolge nicht nur am Bildschirm betrachtet, sondern auch tatsächlich mit assistiver Technik getestet werden.
Der wirtschaftlich bessere Weg
Barrierefreiheit möglichst schon in der Quelldatei vorbereiten
Viele Probleme entstehen, wenn ein Dokument zunächst ausschließlich optisch aufgebaut wird und erst das fertige PDF nachträglich barrierefrei gemacht werden soll.
Saubere Quelldatei
Absatzformate, echte Listen, Tabellen, Hyperlinks und Bildinformationen werden von Anfang an strukturiert angelegt.
Nachträgliche PDF-Reparatur
Fehlende oder falsche Strukturen müssen im fertigen PDF rekonstruiert und teilweise manuell korrigiert werden.
Gerade bei wiederkehrenden Publikationen lohnt es sich deshalb, Satz und Struktur bereits im Ausgangsdokument sauber aufzubauen: Professioneller Satz & Typografie →
Bestehende Dateien
Kann ein fertiges PDF nachträglich barrierefrei gemacht werden?
Grundsätzlich lassen sich viele bestehende PDFs nacharbeiten. Wie sinnvoll und wirtschaftlich das ist, hängt jedoch stark vom ursprünglichen Aufbau ab.
Technik + reale Nutzung
Wie wird ein barrierefreies PDF geprüft?
1 · Technische Prüfung
Maschinell prüfbare Kriterien
Prüfsoftware kann beispielsweise Tagstruktur, Metadaten, Dokumenteinstellungen, fehlende Alternativbeschreibungen und zahlreiche formale PDF/UA-Kriterien kontrollieren.
2 · Manuelle Prüfung
Verständlichkeit in der Nutzung
Überschriftennavigation, Lesereihenfolge, Tabellen, Bilder, Listen und Links sollten zusätzlich in der tatsächlichen Nutzung überprüft werden.
Praxisprüfung
Was wird bei einem Screenreader-Test kontrolliert?
Überschriften: Ist die Hierarchie vollständig und logisch?
Bilder: Sind informative Grafiken erreichbar und sinnvoll beschrieben?
Tabellen: Lassen sich Tabellen und Kopfbereiche nachvollziehen?
Links: Sind Links erreichbar und verständlich benannt?
Listen: Werden Aufzählungen als zusammengehörige Listen erkannt?
Lesereihenfolge: Ergibt der vorgelesene Dokumentfluss tatsächlich Sinn?
Zwei unterschiedliche Aufgaben
PDF/X und PDF/UA verfolgen unterschiedliche Ziele
PDF/X
PDF/X-Standards dienen vor allem einer zuverlässigen Druckproduktion. Dort stehen beispielsweise Seitenformat, Farben, Schriften und drucktechnische Eigenschaften im Mittelpunkt.
PDF/UA
PDF/UA konzentriert sich auf die technische Zugänglichkeit des Dokumentinhalts für assistive Technologien.
Ein Dokument, das gedruckt und zusätzlich digital barrierefrei bereitgestellt werden soll, kann deshalb sinnvollerweise aus derselben strukturierten Quelldatei in unterschiedliche Ausgabe-PDFs exportiert werden.
Verwandtes PDF-Thema
Barrierefreies PDF und interaktives PDF-Formular sind nicht dasselbe
Ein barrierefreies Dokument konzentriert sich auf zugängliche Inhaltsstruktur. Ein interaktives PDF-Formular enthält zusätzlich Eingabefelder, Checkboxen, Dropdowns, Berechnungen oder Formularlogik.
Ein Formular kann ebenfalls Anforderungen an Barrierefreiheit besitzen. Dann müssen Dokumentstruktur und Formularfelder gemeinsam betrachtet werden.
Anforderungen vorher klären
Nicht jedes PDF unterliegt automatisch denselben Vorgaben
Welche rechtlichen oder institutionellen Anforderungen gelten, hängt vom Einsatzbereich, Auftraggeber und konkreten Dokument ab. Deshalb sollte bei Projekten mit verbindlichen Vorgaben bereits vor Beginn feststehen, welcher Standard beziehungsweise welche Prüfkriterien gefordert sind.
Typische Einsatzbereiche
Welche Dokumente profitieren besonders von sauberer Struktur?
Weiterführend
PDF und Dokumentstruktur bei Blum Druck
Häufig gefragt
Fragen zu barrierefreien PDFs und PDF/UA
Ist ein Tagged PDF automatisch barrierefrei?
Was ist PDF/UA?
Kann ein bestehendes PDF nachträglich barrierefrei gemacht werden?
Reicht eine automatische Prüfung aus?
Muss jedes Bild einen Alternativtext haben?
Sind PDF/X und PDF/UA dasselbe?
Kann Blum Druck auch die Quelldatei neu aufbauen?
Dokumentstruktur professionell aufbauen
Bestehendes PDF prüfen oder Dokument neu strukturieren?
Senden Sie uns das vorhandene PDF oder die Quelldatei. Wir prüfen die Ausgangslage und klären, welcher Weg für das Dokument sinnvoll ist.